1.256.990 aktenkundige Betrugsfälle

Deutschland 2024

(akg) 513.518 Betrugsfälle von dieser oben genannten Zahl wurden aus dem Ausland heraus begangen. Eine unvorstellbare Anzahl mit unvorstellbaren finanziellen Schäden bei den Opfern. Die Dunkelziffer dürfte weit höher sein.

Die häufigsten Fälle sind Schockanrufe oder Kurznachrichten von vermeintlichen Angehörigen, die sich in einer finanziellen Notlage befinden, falsche Polizisten oder falsche Bankmitarbeiter: die Phantasie der Täter kennt keine Scham und keine Grenzen.

Die Opfer sind zwar häufig ältere Menschen, die z.B. durch Einträge im Telefonbuch gefunden werden, aber längst nicht nur leichtgläubige Menschen. Die Täter sind geschult und schaffen eine emotionale Notlage bei den Opfern, aus der heraus die Opfer dann finanzielle Verfügungen auf irgendwelche Konten tätigen.

Die höchsten finanziellen Schäden richten dabei Telefonbetrüger an, die sich als falsche Polizisten oder falsche Bankmitarbeiter ausgeben, ihre Gesprächspartner mit wilden und dramatischen Geschichten unter Druck setzen und sie bedrängen, schnellstmöglich ihr Geld auf ein bestimmtes Konto zu überweisen. Entweder unter dem Vorwand, ihr eigenes Vermögen zu schützen oder einem Angehörigen oder einer sonstigen Person in Not zu helfen. Mittlerweile können die Betrüger mittels künstlicher Intelligenz sogar die Stimmen von Menschen kopieren/klonen, sodass die Angerufenen tatsächlich die echt klingenden Angehörigen am anderen Ende der Leitung vermuten.

Vor dem Landgericht Osnabrück habe ich gerade in einer umfangreichen Strafsache verteidigt, in der es um derartige Fälle ging. Angeklagt waren sechs zur Tatzeit noch Jugendliche oder Heranwachsende, die einer hochgradig professionell agierenden Bande zugearbeitet haben. Die Profiteure der Taten sind in Izmir, betreiben ein Callcenter und rufen von dort aus ihre Opfer an, um sie dazu zu bewegen, ihr Geld auf ein anderes Konto zu überweisen oder abzuheben und in eine vorgetäuschte Sicherheit zu bringen. Die Angeklagten wurden teils zu mehrjährigen Jugendstrafen verurteilt, obwohl sie in der untersten Ebene der Bandenstruktur tätig waren und selbst kaum von den Taten profitierten.

Sollte man selbst durch einen Anruf, eine Mail oder einen vermeintlichen Handwerker an der Haustür überrumpelt und unter Druck gesetzt werden, ist es immer sinnvoll, sich vor jeder Handlung, also vor jedem Anklicken oder jeder Weitergabe von Informationen rückzuversichern. Rufen Sie bei Ihrer Bank an oder gehen Sie in Ihre Bankfiliale, kontaktieren Sie die Polizei oder den Angehörigen, der sich in einer Notlage befinden soll. Lassen Sie niemanden in Ihre Wohnung und werden Sie ruhig mal unfreundlich, auch wenn Sie sonst ein People Pleaser sind.

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