Reisen mit Inkontinenz

Warum manchen Menschen die Lust auf Urlaub schon beim Planen vergeht

(sd) Der Mai ist zwar gerade erst gekommen, aber der Sommer steht bereits vor der Tür. Für viele beginnt jetzt die Zeit der Urlaubsplanung. Ziele werden ausgesucht, Unterkünfte gebucht, Routen festgelegt. Was eigentlich Vorfreude auslösen sollte, wird für manche Menschen zu einer Phase voller Unsicherheit. Der Grund ist ein Thema, über das kaum gesprochen wird: Inkontinenz.

„Kundinnen erzählen mir, dass sie schon beim Planen der Reise innerlich aussteigen“, sagt Silvia Deymann, die sich in ihrem Institut auf Inkontinenz spezialisiert hat. „Sie wollen natürlich verreisen. Aber sie wissen genau, wie unangenehm das sein kann.“ Das gilt besonders für diese Reisearten:

Lange Autofahrten

Das zeigt sich besonders bei längeren Autofahrten. Fahrten über Autobahnen sind für viele Betroffene oft noch am ehesten machbar – vor allem dort, wo Raststätten in kurzen Abständen kommen. Schwieriger wird es auf Strecken durch die Berge, auf Landstraßen oder abseits der touristischen Routen.

Stressfaktor Zugreisen

Schlimmer sind Reisen mit dem Zug. Ohne Sitzplatzreservierung in Toilettennähe fühlen sich viele unwohl. Selbst mit Planung bleibt eine gewisse Anspannung, weil es immer sein kann, dass in der Bahn die Toiletten ausfallen. Was früher entspannt war, wird zu einer Situation, die eher Befürchtungen als Vorfreude weckt.

Endgegner Flugreisen

Flugreisen sind für viele ein absoluter Stressfaktor. Sicherheitskontrollen, Boarding, Wartezeiten, eingeschränkte Bewegungsfreiheit – all das erhöht die Unsicherheit. Manche verzichten ganz aufs Fliegen, andere wählen ihre Reiseziele danach aus, wie gut sie erreichbar sind.

„Es ist nicht nur die Situation selbst“, erklärt Silvia Deymann. „Es ist die ständige Frage, ob man im entscheidenden Moment die Kontrolle hat. Die meisten Menschen verzichten deshalb nicht auf den Urlaub, aber auf die Freiheit im Urlaub“, sagt Silvia Deymann. „Sie fahren zwar weg, sind aber innerlich die ganze Zeit damit beschäftigt, die Situation zu kontrollieren.“ Für sie ist klar: Inkontinenz sollte nicht darüber entscheiden, wie jemand lebt oder reist. Sie ist behandelbar. Wer sich früh mit dem Thema auseinandersetzt, kann ein großes Stück Sicherheit gewinnen.

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