(mk) Haben Sie auch so manche Erinnerung an einen besonderen Ort und denken oft „Da möchte ich gerne noch mal hinradeln oder -fahren“? Mir erging es so mit dem Kräuterhof Rosen, dieser Idylle in Geeste-Bramhar, Zum Wald 12. Deshalb freute ich mich auf ein Treffen mit einer Freundin in der Vorweihnachtszeit. Gleich beim Betreten des alten und wie zu Omas Zeiten gestalteten Bauernhauses fühlt man sich willkommen. Der Kuchen war hervorragend mit besten Zutaten, im Hofladen fand ich schöne Dinge und im Kräuterhof-Flyer entdeckte ich spannende Veranstaltungen. Eine davon habe ich kürzlich besucht: „Suppenkraut & Liebeszauber“ mit der Biologin und Buchautorin Jutta Over, die seit 40 Jahren in Meppen lebt und vielen durch ihre ehemalige, lange, aufbauende und leitende Tätigkeit beim NABU bekannt sein dürfte. Seit 2020 ist sie selbstständig. Man findet sie im Internet unter www.naturrundum.de; dort bietet sie verschiedene Veranstaltungen, Spaziergänge und sogar Naturgartenberatungen an. Das bedeutet weniger Bürokratie, aber viel mehr Zeit für die Themen, die sie bewegen und die sie uns näherbringen möchte. Ich war sehr gespannt, kannte ich Jutta doch schon lange als Naturfreundin mit beeindruckendem Fachwissen, die übrigens Vogelstimmen wunderbar imitieren kann. Zuletzt hatte ich sie in der „Imme“ bei der Vorstellung ihres Buches „Wildkräuterampel“ (Kosmos Verlag) erlebt, in dem es um den gelassenen Umgang mit Wildwuchs im Garten nach dem Motto „Jäten, dulden oder fördern?“ geht.
Die Gäste des Abends kamen zu meiner Überraschung nicht nur aus der näheren Umgebung, sondern aus Fürstenau, Haren-Altenberge, Emmeln, Rütenbrock, Herzlake und sogar aus Holland! Jutta Over hatte den Nachdruck eines mittelalterlichen Kräuterbuchs mitgebracht, berichtete von Orakelpflanzen wie Barbarazweigen und von Apfelschalen, vom „Opium“ aus dem Saft junger Salatblätter und dem Stechapfel – ähnlich wirkend wie der Fliegenpilz. In dem uralten Werk hieß es weiter, dass die Samen der Brennnessel die Manneskraft stärken, die Stängel der Seerose dagegen dämpfend wirken sollen und deshalb von Mönchen geschätzt worden sein. Die Petersilie hat hingegen eine mehrfache Bedeutung: als Hexenkraut, aphrodisierend wirkend in Liebestränken, aber auch als früher vielfach genutztes Abtreibungsmittel. Häufig gingen in einer Petersilienstraße oder -gasse die „liederlichen Weiber“, auch „Hübschlerinnen“ genannt, ihrem Gewerbe nach. Selbst das Kinderlied „Petersilie, Suppenkraut...“ weist auf die alten Bedeutungen hin. In Erinnerung dieses Abends geblieben ist mir auch „Wenn Mann und Weib Baldrian in Wein trinken, so macht das gut Freundschaft, holdselig, eins und friedsam“, einst von Otto Brunfels, dem Verfasser des ersten gedruckten Kräuterbuchs von 1530, niedergeschrieben. Zum gelungenen Abend beigetragen hat auf jeden Fall auch das Buffet des Kräuterhofs mit hausgebackenem Brot, Dips, Aufstrichen, Käse- und Aufschnittplatten und passenden Getränken.
Am 17. April wird es dort ein weiteres Event mit Jutta Over geben, dann erwartet die Gäste um 15 Uhr ein Spaziergang, auf dem faszinierendes Kräuterwissen, altes Brauchtum und spannende Mythen nähergebracht werden. Im Anschluss gibt es hausgemachte Torten und Kuchen. Das ganze Jahr über lohnt sich neben Veranstaltungen, Frühstück und Kaffeeklatsch ein Besuch im Kräuterhof Rosen: zum Osterbrunch, Spargel- oder Mittsommerbuffet, zum Grillen oder Bingo, zur Herbstvesper, zum Kreativsein in der Naturwerkstatt oder auch zu Flammkuchen am Lagerfeuer. Auch im kommenden Winter wird es wieder entsprechende Angebote geben. Aber jetzt freuen wir uns erst mal auf Frühling und Sommer! Auf der Homepage
sind die jeweiligen Termine zu finden.
Herzlichst! Ihre Margret Koers