(mk) Gärten wandeln sich nicht nur im Frühling, Sommer, Herbst und Winter, sondern oft auch über die Jahrzehnte. Vor nunmehr 50 Jahren prägten Rasen, Omorikafichten, Blautannen, Rhododendren, ein Rosenbeet und eine Spielecke das Bild - wie es in den 70ern üblich war. Eine richtige Idylle wuchs heran; einmal saß eine Eule unbeweglich im Baum und kurz darauf streifte sogar ein Fuchs aus dem nahen Wald durch den Garten. In den 90ern wurde ein Teich angelegt - gute 10 Meter entlang der Terrasse mit unterschiedlichen Breiten. Eine Nutria drehte darin eines Tages ihre Runden und putzte sich zwischendurch am Ufer in der wärmenden Sonne. Die Omorikafichten, der Rasen und der Sandkasten mussten damals weichen und verschlungene Wege führten von nun an durch Beete mit Sträuchern, Blumen und einer Vielzahl an Rosen. Vor einigen Jahren vernichtete der Zünsler alle formgebenden Buchshecken; Storchschnabel begrenzt nun einige Wege.
Der Teich war in der Zwischenzeit mit Sumpfdotterblumen und fest verwurzelter Iris zugewuchert. Die Überlegung war nun: Neu anlegen oder zuschütten und ein weiteres Beet planen? Zum Glück habe ich mich für einen rundum erneuerten Teich entschieden! Meine Goldfische, eine dicke Kröte, ein grüner und ein brauner Frosch scheinen sich darin pudelwohl zu fühlen. Vögel baden und trinken im Uferbereich, Libellen und Schmetterlinge in allen Größen und Farben kommen vorbei, die Rotkehlchen besuchen mich mit ihrem Nachwuchs und kürzlich habe ich sogar einen mindestens 20 cm langen Tigerschnegel gesehen. Meine Hunde Fritzchen und Kenzo finden überall ein Sonnen- oder auch ein Schattenplätzchen.
Ein Highlight war kürzlich eine dicke grüne Raupe, die ich abends auf einem Seerosenblatt entdeckte und die vermutlich aus einem Baum gefallen war. Eine dunkelgrüne Masse quoll seitlich heraus und dahinter zwängte sich etwas Braunes ins Freie. Lange habe ich dieses spannende Ereignis beobachtet, aber dann wurde es immer später und ich entsprechend müde. Zum Glück machte ich ein Foto, dann setzte ich die Raupe an einen geschützten Platz - am nächsten Morgen war sie verschwunden. Wie ich herausfand, war es die Raupe eines Taubenschwänzchens! Ein Schmetterling, der an einen Kolibri erinnert, aus dem Mittelmeerraum stammt und den Sommer auch bei uns verbringt, kann mittlerweile sogar in Deutschland überwintern. Ich habe erst zweimal im Leben ein Taubenschwänzchen gesehen, in Obercunnersdorf, Landkreis Görlitz, in Sachsen und auf Spiekeroog! Der NABU bittet übrigens um Hinweise bei Sichtungen und das habe ich natürlich mit Begeisterung getan. Mein Garten hat mir schon immer Freude gemacht, aber nach diesem Sommer weiß ich: So soll er bleiben! Naturnah und voller Leben!
Herzlichst!
Ihre Margret Koers