(eb) Der SV Meppen ist zurück in der 3. Liga und in der Hänsch-Arena wird wieder Profifußball gespielt. Auch vor dem Fernseher dreht sich seit Ende August bei vielen Männern im Emsland wieder alles um Fußball. Und mittendrin taucht ein Thema auf, über das Männer selbst erstaunlich selten sprechen: Inkontinenz. In den Werbeblöcken bei Sky, DAZN und Co. wird aktuell groß für Einlagen, Pants und spezielle Inkontinenz-Unterwäsche für Männer geworben. Dass solche Produkte ausgerechnet in einem Umfeld beworben werden, in dem Millionen Männer zuschauen, ist kein Zufall. „Kein Unternehmen investiert Millionen in Werbung für ein Problem, das kaum jemand hat“, sagt Silvia Deymann, Expertin für Beckenbodentraining und Inkontinenz im Emsland. „Die Werbung zeigt eigentlich sehr deutlich: Männer, ihr seid mit dem Thema nicht allein.“
Problem erkannt. Und jetzt?
Inkontinenzprodukte erfüllen einen wichtigen Zweck. Sie helfen, mit den Folgen des Problems im Alltag zurechtzukommen. Aber wenn eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur hinter den Beschwerden steckt, sollte die nächste Frage lauten: Kann ich etwas gegen die Ursache tun? Für Silvia Deymann ist das die wesentlich konsequentere Herangehensweise. „Männer sind es gewohnt, Probleme zu lösen. Wenn am Haus etwas kaputt ist, wird es repariert. Wenn im Job etwas nicht funktioniert, sucht man nach der Ursache. Warum sollte man beim eigenen Körper plötzlich damit anfangen, nur die Folgen zu verwalten?“
Hinsetzen statt hinnehmen
Beckenbodentraining klingt für viele Männer zunächst wenig attraktiv. Im Beckenbodenzentrum Emsland hat es allerdings wenig mit klassischen Übungen zu tun. Trainiert wird vollständig angezogen auf einem speziellen Beckenbodenstuhl. Eine Sitzung dauert rund 30 Minuten. Elektromagnetische Impulse lösen intensive Muskelkontraktionen aus und trainieren so gezielt den Beckenboden. „Man muss das Thema weder dramatisieren noch sich dafür schämen“, sagt Silvia Deymann. „Man stellt fest, dass etwas nicht mehr so funktioniert, wie es soll. Dann schaut man, woran es liegt und was man dagegen tun kann.“ Eigentlich eine ziemlich männliche Haltung. Man muss sich also nicht verstecken. Man sollte sich nur entscheiden, ob man das Problem dauerhaft managen oder gezielt angehen möchte.