Anstecker bzw. Button des SV Meppen

Museen sind Schatzkammern: Sie sammeln und bewahren Gegenstände aus vergangenen Zeiten, erforschen deren Geschichte(n) und bringen sie zum Sprechen. Dabei sind es nicht selten die auf den ersten Blick unscheinbaren Dinge, die Spannendes zur lokalen Historie zu berichten haben. In der Reihe „Objekt des Monats“ werden im Stadtmagazin DER MEPPENER regelmäßig herausragende Exponate und Sammlungsstücke aus dem Bestand des Stadtmuseums vorgestellt.

(iw) Ich kenne das Logo aus der Kicker-Stecktabelle. Ein großes „M“ mit einem darin ver-

schlungenen „S“ und „V“ und dem Gründungsjahr 1912 in einem ungleichmäßigen Oktagon, blau-weiß. Das merkt man sich wie den Ortsnamen, auch wenn man sonst nichts damit verbindet. Und schon gar keine Ahnung hat, wo dieses Meppen eigentlich liegt. Irgendwo im Norden. Dann stieg mein Verein ebenfalls in die 2. Bundesliga auf und wir wurden Konkurrenten im Abstiegskampf, den beide Vereine Jahr für Jahr mehr oder weniger dramatisch meisterten. Andere Klubs kamen und gingen, der SV Meppen und mein Verein blieben der 2. Liga erhalten, waren quasi die personifizierte Identität der Zweitklassigkeit. Und standen damit als Sinnbild für die Tristesse der Niederungen des deutschen Fußballs. Legendär die Worte Toni Schumachers, als er gefragt wurde, ob er mit Schalke in die 2. Liga gehe: „Ich spiel‘ doch nicht in Meppen!“ Ein Statement, das einen dauerhaften Ruf begründete. Meppen war nun gesetzt als klare Nummer Eins der grauen Mäuse, aber häufig wurden der SV und mein Verein in einem Atemzug genannt, wurden beide Klubs als Horrorszenario für abstiegsbedrohte Bundesligisten an die Wand gemalt.

Wenn wir gegeneinander spielten, gewann mal der eine, mal der andere, mal gab es ein Remis – sehr ausgeglichen alles. An drei Spiele erinnere ich mich noch. Das Heimspiel im September 1988 verlor mein Verein krachend mit 1:6, bis heute seine höchste Heimniederlage im Profifußball. Ausgerechnet gegen Meppen. Da waren Spieler mit drei „Y“ im Namen und dann schossen die auch noch ein Tor. Das zweite Spiel im Oktober 1996 begann katastrophal für meinen Verein. Marko Myyry glänzte im Mittelfeld, und Christian Claaßen gelang ein lupenreiner Hattrick bereits nach 16 Minuten. Schlimm. Unser überforderter Rechtsverteidiger, Claaßens Gegenspieler, wurde im Anschluss direkt ausgewechselt. Danach wurde es besser, aber wir verloren 4:5 – beste Zweitligaunterhaltung.

Das dritte Spiel fand im Saisonfinale 1997/98 statt. Mein Verein hatte den Klassenerhalt am vorletzten Spieltag gesichert, für den SV dagegen war dieses Jahr endgültig Schluss, der Abstieg stand bereits fest. Ein Spiel um nichts, aber wir hatten die Tickets für den gemeinsamen Sonderzug mit Spielern und Staff schon gekauft, dann macht man halt mal eine entspannte Auswärtsfahrt gen Norden. Jetzt wussten wir immerhin, wo Meppen liegt. Eine besonders schöne Erinnerung ist, wie unser Rechtsverteidiger auf der Rückfahrt mit uns im Abteil scherzte, wie gemütlich wir es uns eingerichtet hätten. Prost Jürgen!

Im Stadion mischten sich Osnabrücker in unseren Fanblock, um den Meppener Abstieg zu feiern. Uns egal, herzlich willkommen. Doch im Laufe des Spiels wurden deren Gesänge so unappetitlich widerlich, dass wir sie irgendwann aus dem Block expedierten und solidarisch SV Meppen-Gesänge anstimmten. Und mit „Nur ein Jahr – dann seid ihr wieder da!“ eine baldige Fortführung der gemeinsamen Zweitligageschichte beschworen. Wir irrten. Der SV strandete in den unteren Ligen und kam nicht wieder. Ich verlor ihn aus den Augen, denn auch mein Verein verließ ein paar Jahre später die 2. Liga dauerhaft. In einer mal wieder hoffnungslosen Situation ernannte am Rosenmontag 2001 der mutig-geniale oder vielleicht auch nur völlig verzweifelte Manager den Rechtsverteidiger zum Trainer. Der Rest ist Geschichte: Klassenerhalt, zweimal Fastaufstieg, dann Aufstieg in die Bundesliga, wo mein Verein mit einer kurzen Unterbrechung seit 21 Jahren spielt. Unser ehemaliger Rechtsverteidiger hat alle wichtigen Vereinstrophäen gewonnen und ist heute Nationaltrainer. Wir Mainz 05-Fans hatten das Glück, dank Jürgen Klopp ein Fußballmärchen erleben zu dürfen. Ein Teil dieses Märchens ist der SV Meppen, der Wegbegleiter über so viele Zweitligajahre.

Man darf das nicht unterschätzen. Die Festungsgeschichte, Ludwig Windhorst oder die WTD 91 kennen meist nur Eingeweihte. Aber für viele Menschen in Deutschland ist Meppen verbunden mit einem blau-weißen Oktagon, das die Stadt landesweit bekannt gemacht hat. Dank Toni Schumacher als Synonym für Zweitklassigkeit, aber schon 1988 hatte der Spediteur Hans Többe die richtige Antwort gegeben, als er einen Lkw mit der Aufschrift „Das Fußball-

erlebnis SV Meppen – 2. Bundesliga“ direkt vor Schumachers Haus in Köln parkte. Mit Humor gewinnt man Sympathien, und der wunderbar selbstironische Umgang der Meppener mit ihrem Ruf als Provinzverein in Gummistiefeln ist vorbildlich. Nun ist der SV wieder in die 3. Liga aufgestiegen. Ich wünsche viel Erfolg!

2609_objektdesmonats_c-der-meppener.jpg