„Inspectionsgebäude in Meppen“ – Aquarell von Friedrich Zeller um 1880

Museen sind Schatzkammern: sie sammeln und bewahren Gegenstände aus vergangenen Zeiten, erforschen deren Geschichte(n) und bringen sie zum Sprechen. Dabei sind es nicht selten die auf den ersten Blick unscheinbaren Dinge, die Spannendes zur lokalen Historie zu berichten haben. In der Reihe „Objekt des Monats“ werden im Stadtmagazin DER MEPPENER regelmäßig herausragende Exponate und Sammlungsstücke aus dem Bestand des Stadtmuseums vorgestellt.

(mb) Museen, die in denkmalgeschützten historischen Gebäuden untergebracht sind, pflegen ihre „Behausungen“ zuweilen auch als „begehbare Museumsobjekte“ zu bezeichnen. Um ein solches Großobjekt soll es in diesem Serienteil der Reihe „Objekt des Monats“ gehen. Denn auch das 1990 vom Heimatverein Meppen gegründete und bis 2020 von ihm betriebene Stadtmuseum verfügte über ein solches Prachtexponat: das Gebäude der ehemaligen Arenbergischen Rentei in der Obergerichtsstraße 14. Nicht minder prachtvoll ist die bildliche Darstellung des Bauwerks auf einem Aquarell des österreichischen Landschaftsmalers Friedrich Zeller (1817–1896) wohl aus der Zeit um 1880.

Der Bau geht zurück auf die Kaufmannsfamilie Frye, die im 18. Jahrhundert aus Haren nach Meppen gekommen war. Vater Johann hatte in den 1760er Jahren zwei Seifensiedereien, eine Zichorien- und Tabakfabrik u. a. im von ihm erworbenen Zeughaus in Meppen gegründet. Sohn Johann Heinrich hatte es Anfang des 19. Jahrhunderts dann sogar zum Bürgermeister gebracht. Um standesgemäß zu wohnen, hatte er den Architekten August Reinking beauftragt, nahe dem Sitz der Eltern ein Wohnhaus zu bauen. 1805 war der Bau abgeschlossen. Der ringsum weitgehend freistehende, zweigeschossige verputzte Ziegelbau mit ausgeprägtem Mansardpyramidendach ist ein eindrucksvolles Zeugnis klassizistischer Baukunst in Meppen. 1835 wurde dieses Haus an den Herzog Prosper Ludwig von Arenberg verkauft, der hier seine „Herzogliche Rentkammer“ einrichten ließ.

Die Herzöge von Arenberg hatten 1803 nach den Bestimmungen des Reichsdeputationshauptschlusses als Ersatz für den Verlust ihrer linksrheinischen Gebiete große Teile des Emslandes erhalten. Meppen wurde Teil der Herrschaft und zu einem Hauptort in diesem Teil des Herzogtums erhoben. 1810 ging das Territorium der Herzöge von Arenberg zwar im französischen Kaiserreich auf und wurde dann 1815 dem Königreich Hannover zugeschlagen – doch die Arenberger behielten die Standesherrschaft und hatten die Verwaltung ihrer hiesigen Güter weiter sicherzustellen, was schließlich zur Einrichtung der Rentei in Meppen führte. Die Herzöge Prosper Ludwig, Engelbert August und Engelbert-Maria prägten die Meppener Geschichte nicht nur durch die Ansiedlung von Behörden, sondern auch durch Stiftungen, Geld- und Sachzuwendungen. Davon profitierten u. a. die Propstei, das Gymnasium, verschiedene Vereine und nicht zuletzt das 1851 nach Herzogin Ludmilla benannte Krankenhaus. Die Standesherrschaft der Arenberger währte bis 1875, doch auch danach blieb das Herzoghaus dem Emsland und Meppen verbunden.

In den 1860er Jahren beauftragte Herzog Engelbert August von Arenberg den aus Steyr in Österreich stammenden Bildnis-, Architektur- und Landschaftsmaler Friedrich Zeller (1817–1896) mit der Herstellung gezeichneter Ansichten der herzoglichen Besitzungen in der Eifel, am Niederrhein, in Westfalen und im Emsland. Die Zeichnungen und Aquarelle, die wohl hauptsächlich zwischen 1880 und 1890 entstanden sind, wurden in einem Album zusammengefasst, das heute im Arenbergarchiv in Enghien (Belgien) verwahrt wird. Der Hintergrund der Auftragsarbeit war wohl einerseits die Intention des Herzoghauses, ihren weit verstreuten standesherrlichen Besitz zu dokumentieren und visuell zu vereinen. Andererseits scheint es den Auftraggebern auch um eine romantisch-nostalgische Überhöhung der Stätten ihres Wirkens gegangen zu sein. Man entschied sich mit Zeller bewusst für einen biederen Landschaftsmaler statt z. B. eine fotografische Dokumentation ins Auge zu fassen. Insbesondere die Darstellung der herzoglichen industriellen Unternehmungen wirken auf den Aquarellen pittoresk, unwirklich und seltsam aus der Zeit gefallen.

Drei der im Album enthaltenen Aquarelle von Friedrich Zeller zeigen Meppener Motive: das Rathaus, das Krankenhaus Ludmillenstift samt Pfarrkirche und schließlich die Arenbergische Rentei. Sie stellen wichtige Quellen zur Ortsgeschichte dar. Einzelne Werke aus dem Arenberg-Album erfuhren Zweitfassungen bzw. Reproduktionen – und so kam es, dass im Jahr 2006 eine Fassung des Zellerschen Aquarells vom „Inspectionsgebäude in Meppen“ im Osnabrücker Antiquariat Wenner zum Kauf angeboten wurde. Dem damaligen Vorsitzenden des Heimatvereins Meppen, Christoph Behnes, gelang es mit Unterstützung der Emsländischen Sparkassenstiftung, das Werk anzukaufen und zurück an den Ort zu holen, wo es seinen Ursprung hat. Das Original kann im Schaumagazin des Stadtmuseums in der Arenbergische Rentei betrachtet werden, wo es ein Stück spannender Meppener, aber auch Arenberger Geschichte erzählt.

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