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Am Sonntag, den 9. Juni 2024, ist Europawahl

(th) Am 9. Juni 2024 ist Europawahl. Erstmals haben Menschen ab dem Alter von 16 Jahren die Gelegenheit, an der Wahl des Europaparlaments teilzunehmen. Zu dieser großartigen Gelegenheit führte das Stadtmagazin DER MEPPENER folgendes Interview mit Manuel Bredol stellvertretend für die Kleinstadtkinder.

Die Kleinstadtkinder sind eine freie Jugendkulturgruppe in Meppen. „Als Kleinstadtkinder organisieren wir verschiedenste Veranstaltungen, meist im Meppener Jugend- und Kulturzentrum JAM. Ein Highlight ist das jährliche Kleinstadtfestival, bei dem rund 100 ehrenamtliche Helfer zusammenkommen. Anfang dieses Jahres haben Nikolas Hüser, Ina Streeck, Felix Jansen und ich an deutschlandweiten Demos gegen Rechtsextremismus teilgenommen. Danach überlegten wir, wie wir den politischen Diskurs bereichern können. So entstand die Idee, zur Europawahl 2024 ein politisches Speed-Dating zu organisieren, bei dem sich die Wählerinnen und Wähler direkt mit den Parteien austauschen und ihre Positionen kennenlernen“, berichtet Manuel. Dieses Vorhaben unabhängig umsetzen zu können, machte ein 400€-Projekt möglich. Jugendliche bis 27 Jahre aus Meppen können eigene gemeinnützige Projekte umsetzen (sei es ein Konzert, Workshops oder ein politisches Speed-Dating). Interessierte können sich im JAM melden.

DM: Warum sollten junge Menschen ihre Stimme nutzen und was können diese damit bewegen?

MB: Erstmals dürfen auch 16-Jährige an der Wahl teilnehmen und damit maßgeblich Europa mitgestalten. Bei der Europawahl wählen wir, die Europäerinnen und Europäer, in ganz Europa das sogenannte Europäische Parlament, beziehungsweise die Abgeordneten, die uns im Parlament vertreten. Dass nun endlich auch 16-Jährige ihrer Stimme Gehör verschaffen können, macht aus unserer Sicht absolut Sinn, da man immer mehr junge Menschen sieht, die sich für Politik interessieren und selbst mitentscheiden wollen, wie sich Europa weiterentwickelt.

Einige Menschen behaupten, dass ihre Stimme nichts bewirkt und dass es sowieso keinen Sinn macht, wählen zu gehen. Hier wollen wir entschieden widersprechen. Je nach Themengebiet werden nationale Gesetze durch die EU vorbestimmt. Zum Beispiel in der Agrarpolitik, Umweltpolitik und in wirtschaftlichen Regulierungen können bis zu 80 Prozent der Gesetze von der EU beeinflusst sein. Wenn wir uns also die Bauernproteste dieses Jahr noch einmal vor Augen führen, merken wir, dass es sehr viel Sinn macht, eine Partei zu wählen, die unsere eigenen Interessen und Ideale auf europäischer Ebene vertritt. Wenn wir der Auffassung sind, dass die aktuellen großen Parteien unsere Interessen nicht richtig vertreten, gibt es viele weitere: Insgesamt stehen dieses Jahr 34 Parteien auf dem Wahlzettel. Da es keine Prozenthürde gibt, kann eine Kleinstpartei mit nur ein paar Stimmen bereits in das EU-Parlament gewählt werden.

DM: Welche Themen sind gerade für junge Erstwähler besonders wichtig?

MB: Wenn wir uns die Nachrichten anschauen, kann uns als jungen Erwachsenen schnell ganz anders werden. Themen wie der Zustand des Bildungswesens, Klimaschutz, Digitalisierung, Kriege und die Asylbewerbersituation stehen im Fokus. Wie die Politik mit diesen Themen umgeht, ist maßgeblich entscheidend, und vielen von uns fällt es deswegen nicht leicht, unsere Stimme einer Partei anzuvertrauen, die dann die nächsten fünf Jahre hoffentlich diese Probleme richtig angeht.

DM: Wir leben in Europa und genießen Freiheit. Wovon profitieren junge Menschen besonders? Welche Chancen bietet Ihnen das offene Europa?

MB: Das Projekt EU ist unserer Meinung nach eine der wichtigsten Verbesserungen der letzten Jahrzehnte. Die Möglichkeit, jederzeit in Europa reisen, arbeiten und leben zu können, begeistert uns riesig. Für viele Menschen war der Frieden auf unserem Kontinent bis vor zwei Jahren fast schon selbstverständlich. Durch den Angriffskrieg auf die Ukraine wurde uns bewusst, dass das Friedensprojekt Europa umso wichtiger ist. Seit rund 70 Jahren garantiert die Europäische Union den Frieden in Europa.

Schlussworte

der Kleinstadtkinder

„Zum Abschluss möchten wir betonen, wie wichtig es ist, dass junge Menschen sich aktiv in den politischen Diskurs einbringen. Das von uns veranstaltete Europa-Wahl-Speed-Dating bot eine Möglichkeit, Politik hautnah zu erleben und die Standpunkte der verschiedenen Parteien kennenzulernen. Wir wollten eine neutrale Plattform bieten, die es ermöglicht, direkt mit Parteimitgliedern in Kontakt zu treten und Fragen zu stellen. Unser Ziel war und ist es, junge Menschen zu ermutigen, ihre Stimme zu nutzen und an der Gestaltung der Zukunft Europas teilzunehmen.“