(akg) Vielleicht haben Sie in ihrem Urlaub eine Schiffsreise gemacht und interessieren sich für aktuelle Gerichtsentscheidungen zu diesem Thema.

1. Automatische Abbuchung von Trinkgeld: Das OLG Koblenz entschied mit Urteil vom 14.6.2019, Az.: 2 U 1260/17, über die von einem Kreuzfahrtveranstalter verwendete Trinkgeldempfehlung , die lautete: „[Sie sind sicher gerne bereit, die Leistung der Servicecrew durch Trinkgeld zu honorieren.] Hierfür wird auf Ihrem Bordkonto ein Betrag i.H.v. 10,- Euro pro Person/Nacht an Bord gebucht, den Sie an der Rezeption kürzen, streichen oder erhöhen können.“
Bei der Regelung handele es sich um AGB´s des Veranstalters. Unwirksam sind AGB´s, wenn sie einen Vertragspartner unangemessen benachteiligen. Diese unangemessene Benachteiligung bestehe darin, dass der Empfehlung ausdrücklich widersprochen werden sollte, obwohl keine ausdrückliche Vereinbarung getroffen wurde.

2. Mitreisende vor dem Kabinenfenster: Das LG Frankfurt entschied mit Urteil vom 21.2.2019, Az.: 2-24 S 216/18, über die Klage einer Reisenden, die auf einem Schiff der Hurtigruten eine Kabine höchster Kategorie gebucht hatte und laut Reiseveranstalter einen „malerischen Meerblick“ habe. Allerdings befand sich zwischen Kabine und malerischem Meerblick ein Promenadendeck, welches es allen Passagieren des Schiffes ermöglichte, eben diesen Ausblick auch zu genießen. Ich stelle mir vor, dass die Reisende in der Kabine – ähnlich als wenn man im Theater hinter einem 2-m-Hühnen mit breiten Schultern sitzt – ständig um die Mitreisenden herumschauen musste, um den malerischen Meerblick zu sehen. Außerdem behinderten die Metallstäbe an der Reling ihren freien Blick.

Die Richter wiesen die Klage jedoch dahingehend ab und entschieden, dass die Reisende damit hätte rechnen können, dass andere Mitreisende an ihrem Fenster vorbeiliefen. Auch würden die Metallstäbe der Reling noch genügend freie Sicht auf das Meer bieten, sodass hier kein Reisemangel gegeben sei.

3. Bei Seenot und Todesangst: Richtig haarsträubend wird es in einem Fall, den das LG Köln, Urteil vom 15.1.2019, Az.: 3 O 305/17, entschied. Ein Ehepaar war nach einem Urlaub auf den Malediven mit einem Transferschiff in Seenot geraten. Obwohl für den Tag eine Sturmwarnung vorlag, legte das Transferschiff ab, geriet in Seenot, hohe Wellen schlugen über das Boot, es bekam Schlagseite und trieb wegen des Ausfalls der Schiffsmotoren und des Navigationssystems ziellos übers Meer. Man versuchte sodann per Taschenlampen andere Schiffe auf sich aufmerksam zu machen. Auf dem Boot brach eine Panik aus, als es zudem noch zu einer Kollision mit einem anderen Schiff kam. Nachdem das Boot geborgen wurde, beanspruchten die Reisenden die Rückzahlung des Reisepreises und ein Schmerzensgeld wegen der erlittenen Todesangst und traumatischen Gesundheitsfolgen. Der Reiseveranstalter berief sich auf höhere Gewalt und lehnte eine Rückzahlung ab. Das LG Köln gab dem Kläger recht und sprach den Reisenden die Erstattung des Reisepreises i.H.v. ca. 4500 Euro und Schmerzensgeld i.H.v. 6000 Euro für den Kläger und 5500 € für dessen Frau zu, da der Reiseveranstalter das Ehepaar in eine nicht beherrschbare Gefahr gebracht habe und der Erholungswert der Reise durch diese extreme Gefahrensituation vollkommen aufgehoben war.