Profifamilien® und Wohngruppen

(eb) Die Backhaus Kinder- und Jugendhilfe aus Meppen ist einer der größten privaten Kinder-und Jugendhilfeträger in ganz Deutschland. Vor 43 Jahren starteten die Gründer, Familie Backhaus, mit einem Kleinstheim. Damals nahmen sie Kinder in ihr eigenes Zuhause auf und setzten damit ein Zeichen gegen die zu der Zeit noch gängigen „anonymen“ Großheime. Sie zeigten, dass die Unterbringung von Kindern auch im familiären Rahmen möglich ist und legten einen Grundstein für eine pädagogische Betreuung der jungen Menschen, welche die zwischenmenschliche Bindung und den Beziehungsaufbau in den Vordergrund stellt. Heute beschäftigt das Unternehmen 645 Mitarbeitende, überwiegend pädagogische Fachkräfte, die im gesamten Norden, Westen und Osten Deutschlands tätig sind. Die 15 Pädagogischen Zentren und 21 Wohngruppen der Sozialeinrichtung erstrecken sich von Langenfeld im Rheinland über Meppen bis in die Uckermark und Berlin. „In der Fillastraße in Bokeloh ist die zentrale Verwaltung. Die direkten Nachbarn sind die Gründerfamilie, drei Wohngruppen und das Pädagogisches Zentrum Meppen. Zudem bestehen Wohngruppen in unmittelbarer Umgebung,“ so die Geschäftsführerin der Einrichtung, Yvonne Krieger.

In der Region arbeiten 173 Beschäftigte in und für die Wohngruppen der BKJH. Diese gruppenpädagogischen Angebote verfolgen zwar ein pädagogisches Gesamtkonzept, sind jedoch alle sehr individuell an den Bedürfnissen der dort lebenden Kinder und Jugendlichen ausgerichtet. „Die Gruppen leben von den Menschen, die dort arbeiten und wohnen“, stellt Yvonne Krieger fest. „Wir haben pädagogische Konzepte wie bspw. Mädchenwohngruppen oder Bauernhöfe mit tiergestützter Pädagogik,“ führt sie aus. Neben den Wohngruppen sind in der Gesamteinrichtung zudem insgesamt 370 Kinder in Profifamilien® (Erziehungsstellen) untergebracht. In Profifamilien® leben Kinder und Jugendliche in und mit den Familien von fest angestellten pädagogischen Fachkräften. Dies können Ehepaare, gleichgeschlechtliche Paare oder auch Singles sein. „Eine Profifamilie® besteht für uns aus der pädagogischen Fachkraft und dem oder den aufgenommenen jungen Menschen“, erklärt die Geschäftsführerin der BKJH, „die Familien nehmen einen jungen Menschen, der aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr bei seinen leiblichen Eltern leben kann, in ihre Mitte auf und geben ihm ein Zuhause – in ihrem Haus, in ihrem Leben und in ihrem Herzen.“ In den Profifamilien® ist es, wie auch in allen anderen Familien, laut, bunt, lustig, traurig, eine Mischung aus Alltag, wie dem Schulbesuch oder dem gemeinsamen Essen aber auch Arztbesuchen, Hobbys und gemeinsame Ausflügen. Ein paar Dinge gibt es aber doch, die eine Erziehungsstelle von einer „normalen“ Familie unterscheiden. Eine Profifamilie® kann man sich vorstellen als einen „ausgelagerten Heimplatz“, der über das Landesjugendamt in jedem Einzelfall überprüft wird. Dazu gehören bspw. der Nachweis eines polizeilichen Führungszeugnisses oder bestimmte Brandschutzvorgaben, die eingehalten werden müssen. Die Fachlichkeit der Profieltern als auch die Besonderheiten der jungen Menschen unterschieden sich auch stark von bspw. Pflegefamilien. Die Kinder, die in die Profifamilien® aufgenommen werden, bringen häufig schon ein ganzes Päckchen an besonderen Lebenserfahrungen mit. Oftmals fanden bereits in der frühen Kindheit traumatische Erlebnisse statt. Der darauffolgende Bindungsabbruch zu den leiblichen Eltern stellt eine weitere Herausforderung für die Psyche der jungen Menschen dar. Einige Kinder und Jugendliche leiden an psychischen, seelischen und teilweise auch körperlichen Auffälligkeiten, die den Alltag für sie herausfordernder machen als für andere Gleichaltrige. Aus diesem Grund benötigen diese jungen Menschen besondere Zuwendung und pädagogische Betreuung. Um dies leisten zu können, werden nur pädagogische Fachkräfte, wie bspw. Erzieher oder Heilerziehungspfleger, als Profifamilie® fest in der BKJH angestellt.

Die Erziehung der jungen Menschen ist einerseits ein Job, andererseits aber auch viel mehr als das: „Erziehungsstelle zu sein ist für uns eine Herzensangelegenheit“, so eine Profimutter aus Meppen, „wir können den jungen Menschen Chancen geben, die sie sonst niemals bekommen hätten. Mein Beruf ist für mich also eher eine Berufung, und das geht vielen meiner Kollegen und Kolleginnen so!“ Die Erziehungsstellen werden vor der Aufnahme ihrer Tätigkeit in einem Kurs auf ihre neue Aufgabe vorbereitet und auch nach der Aufnahme eines jungen Menschen engmaschig begleitet – in persönlichen Gesprächen, Hausbesuchen oder den wöchentlichen Erziehungskonferenzen. Die regelmäßigen Besuchskontakte mit der Herkunftsfamilie des jungen Menschen sind ein weiterer wichtiger pädagogischer Baustein des Systems Profifamilie®.