(akg) Mit Urteil vom 09.04.19 entschied das OLG Hamm (Az. 3 RVs 10/19) über einen Fall, in welchem eine 16-jährige Schülerin WhatsApp-Kontakt mit einem 27-jährigen hatte, in welchem sie unter anderem Nacktbilder von sich an ihn verschickte.

Der 27-Jährige wollte sie sodann dazu veranlassen, von ihm gewünschte sexuelle Handlungen vorzunehmen. Das wiederum setzte die 16-Jährige enorm unter Druck, sie war verzweifelt und wusste nicht, was sie tun sollte. Als sie sich weigerte, drohte er ihre Bilder auf Facebook zu veröffentlichen und in ihrer Schule bekannt zu machen. Sie erstattete Anzeige. Im Rahmen der Hausdurchsuchung des 27-Jährigen händigte dieser den Polizisten sein Smartphone aus, auf welchem noch fünf der von der Schülerin übersandten Nacktbilder zu finden waren.

Von dem Amtsgericht Herford wurde der Angeklagte dafür wegen versuchter Vergewaltigung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt. Mit der hiergegen eingelegten Berufung hatte der Angeklagte allerdings tatsächlich Erfolg und wurde vom Landgericht Bielefeld freigesprochen. Die hiergegen von der Staatsanwaltschaft eingelegte Revision hatte jedoch Erfolg: Das OLG Hamm hielt den Freispruch für unrecht und verwies den Fall zurück an eine andere Strafkammer des LG Bielefeld. Dadurch, dass der Angeklagte mit der Veröffentlichung von Nacktbildern gedroht habe, habe er das Tatbestandsmerkmal der Nötigungshandlung erfüllt, § 177 II Nr. 5 StGB. Dafür sei auch nicht erforderlich, dass die Schülerin den Angeklagten zuhause aufgesucht hätte.

Ich hege den leisen Verdacht, dass die Zielgruppe, die bei diesem Urteil sämtliche Antennen auf Empfang stellen sollte nicht diese Zeitschrift und schon gar nicht meinen Artikel lesen wird. Es sind daher in erster Linie die Eltern gefragt, die Klassen- und Vertrauenslehrer, die Freunde etc.
Wenn 16-Jährige Nacktbilder von sich via WhatsApp an 27-Jährige versenden, ist das in vielerlei Hinsicht alarmierend. Dass es dafür mittlerweile ein eigenes Wort „Sexting“ gibt, trägt m.E. eher dazu bei, dass ein unerträglicher Zustand, normalisiert wird. Die Gefahr des Missbrauchs der Bilder zu pornografischen Zwecken, der Erpressung etc. überfordern die betroffenen Jugendlichen in aller Regel, weil sie sich aus Scham nicht an Vertrauenspersonen wenden.

Hier hilft nur ein offener und vertrauensvoller – im Zweifel vielleicht auch kontrollierender – Umgang mit den eigenen Kindern und deren medialem Verhalten. Betroffene sollten umgehend anwaltliche oder polizeiliche Hilfe in Anspruch nehmen. Auch Opferschutzvereine können häufig eine schnelle und gute Unterstützung bieten.