(akg) Wenn es um Nachbar-Streitigkeiten mit landwirtschaftlicher Beteiligung geht, überwiegt in unserer Region vermutlich der Streitpunkt der Geruchsemmission mehr als der des Tierlärmes.

Anders verhält es sich offenbar im oberbayrischen Holzkirchen, in welchem ein Ehepaar wegen zu lauter Kuhglocken auf der Nachbarweide vor lauter Gebimmel die Nerven verliert und die Gerichte beschäftigt.

Das Landgericht München (LG) hat nun die Klage der Nachbarin, die sich durch das Geläute gestört fühlt, abgewiesen (Urt. v. 24.01.2019, Az. 11 O 4475/17). Die Dame, die die Tiere hält, hatte bereits einen Vergleich mit dem Nachbarehepaar schließen wollen.

Das Nachbarehepaar machte einigermaßen kreative Vorschläge zu den Kuhglocken: so schlugen sie vor, die Kühe mit GPS-Systemen auszustatten, wobei sie dafür sogar die Kosten übernommen hätten (so viel zur überschrittenen Schmerzgrenze des Ehepaares). Die Bäuerin aber stand dem skeptisch gegenüber und machte den Gegenvorschlag, einfach weniger Glocken zu verwenden. Kurzum: GPS gegen Kuhglocke? Kein Vergleich! Also musste das LG entscheiden und wies die Klage des Ehepaares zurück. Begründet wurde dies u.a. damit, dass der Ehemann in dem Fall bereits im Jahr 2015 einen Vergleich mit den Tierhaltern geschlossen habe. Als Eigentümer habe er damit seine Rechte in Bezug auf das Nachbargrundstück genau definiert. Die weiter klagende Ehefrau, die in diesem Fall als Mitbewohnerin Besitzrechte hat, könne deshalb keine weitergehenden Ansprüche haben als ihr Ehemann. Auch die von den Klägern vorgebrachte „Ortsunüblichkeit“ wurde hier vom Gericht z. B. verneint. Außerdem stünden – je nach Jahreszeit – nur 5-8 Kühe auf einer ein Hektar großen Weide.
Das Ehepaar gibt sich mit der Entscheidung nicht zufrieden. Es hat u.a. auch die Gemeinde verklagt, die das Weidegrundstück verpachtet hat.

Dass Lärm aus der Nachbarschaft einen wahnsinnig machen kann, stößt bei mir durchaus auf Verständnis. Es kommt allerdings auf den Lärm und auf den Nachbarn an. Wenn ich meinen Nachbar den ganzen Tag mit stinkenden Komposthaufen, grellem Scheinwerferlicht bei Nacht und zugeparkter Einfahrt nerve, dann darf ich nicht auf Verständnis hoffen, wenn dieser den Lärm, der von meinem sechsjährigen Sohn ausgeht, nicht mehr verkraftet. Mein Sohn ist noch in einem Alter, in dem es ihm schwer fällt, durchgehend leise zu sein. Kinderlärm kann nicht abgestellt werden. Das sagt uns der gesunde Menschenverstand und der fehlende Lautstärkeregler am Kind. Werfen statt legen, rennen statt gehen, schreien statt sprechen: das gehört zum Kindsein ebenso dazu, wie Alterskrankheiten zum Alter und die Kuhglocke zur Kuh.

Nicht selten wird da zum Mittel „Gegenlärm“ gegriffen. Fatal, sag ich Ihnen! Da fängt der Nachbar plötzlich an, sein Grundstück nur noch sonntagsmorgens um 7 Uhr mit dem Laubpuster zu reinigen. Oder die Nachbarin sortiert mit ihrem Theromix® Schrauben. Das lehrt Demut.

Das Problem bei derlei Nachbarschaftsstreitigkeiten ist auch immer, dass man sein Zuhause direkt an dem Zuhause des Nachbarn hat. Man begegnet sich im Flur, auf der Straße…wie wohl fühlt man sich da noch? Wie weit geht man? Auge um Auge, Zahn um Zahn, Lärm und Lärm?