Leben im Moor

(eb) „Des Ersten Tod, des Zweiten Not, des Dritten Brot“ – diesen Spruch kennt man heute noch, wenn es um die Gründung von Moorkolonien in alter Zeit geht. Kanäle wurden gebaut, armselige Plaggenhütten errichtet und zum Broterwerb wurden Torf gestochen, Buchweizen angebaut und Schafe gehalten; das Stricken von Socken beherrschten damals auch die Männer, die Frauen karrten und schichteten Torf zu Ringen. Es war ein elendes Leben, kilometerweit von der Zivilisation, von Einkaufsmöglichkeiten und dem sonntäglichen Kirchgang entfernt. Am Herdfeuer wurden allerlei “Spökenkieker-Geschichten” erzählt. Manchmal bestand im Winter keine Möglichkeit, Verstorbene in das nächste Dorf zu bringen. In der Not verblieben sie dann unter dem Dach der Kate oder in einem Verschlag, bis die Witterungsverhältnisse sich besserten. Um Rinnsale zu überspringen, benutzte man lange Stöcke und selbst die Pferde trugen Stiefelholzschuhe, um nicht im Moor einzusinken. Es gibt Hinweise, dass es manchmal so feucht war, dass am Morgen die Holzschuhe nicht mehr vor dem Bett standen, sondern weggeschwemmt worden waren.

In den benachbarten Niederlanden ist das 1599 gegründete Oude Pekela die älteste Fehnsiedlung. 1631 wurde in Papenburg die in Deutschland älteste und größte Fehnkolonie gegründet. Hier erinnern noch heute die Kanäle von der Entwässerung des Moores. Mit getreidelten Schiffen konnten Torf abtransportiert sowie Baumaterial herangeschafft werden. Weitere Gründungsjahre sind z.B. 1774 Alte Picardie, 1784 Hesepertwist, Adorf und Lindloh, 1788 Rühlertwist, Rütenbrock und Hebelermeer, 1810 Altenberge und 1912 Fehndorf.

Im Moormuseum Groß Hesepe zeugen heute zahlreiche Exponate vom harten Leben im Moor. Aber auch die Schönheiten der Natur, wie die Tierwelt, Buchweizen- oder Wollgrasblüte können bestaunt werden. Dietrich von Velen gründete einst Papenburg. Auch im Fehn-Freilichtmuseum “von-Velen-Anlage” kann man heute auf Zeitreise gehen und die damaligen Lebenswelten kennenlernen.