Berufliche Rehabilitation

(jw) Wenn Sie einen Ergotherapeuten zum Nachdenken bringen wollen, so fragen Sie nach der Definition seines Berufs. Unter den Begriffen Physiotherapie (Krankengymnastik) oder Logopädie (Sprachtherapie) können sich viele etwas vorstellen – anders bei der Ergotherapie. Die Ergotherapie ist ein weites Feld. Konzentrationsstörungen bei Kindern oder Gedächtnisgruppen in Seniorenheimen – daher ist die Ergotherapie bekannt. Innerhalb der Psychiatrie gibt es gestalterische Ansätze in die Richtung der Kunsttherapie. Diese Liste kann noch um vieles ergänzt werden, ohne Klarheit in den Begriff „Ergotherapie“ zu bekommen.

Eine Disziplin der Ergotherapie stellt die Handtherapie und Handrehabilitation dar. Neben z.B. chronischen Erkrankungen der Hand werden Patienten oft nach Unfällen behandelt. Diese Unfallart macht einen großen Teil aller Arbeitsunfälle aus. Die Ergotherapie nimmt einen großen Stellenwert innerhalb der beruflichen Rehabilitation ein und kommt hierbei in verschiedenen Bereichen zum Tragen. Ein veralteter Begriff für die Ergotherapie ist der der „Arbeits- und Beschäftigungstherapie“. Für die berufliche Wiedereingliederung ist der Begriff der Arbeitstherapie zielführend: einerseits, da die gesamte Therapie auf die Tätigkeit des Patienten abzielt, andererseits, da Arbeit an sich als therapeutisches Mittel eingesetzt wird.

Eine gute Therapie basiert immer auf einer guten Befunderhebung. In dieser werden die Defizite des Patienten genau analysiert. Wichtig im Bereich der beruflichen Rehabilitation ist das zusätzliche Erstellen einer Tätigkeitsanalyse. Hierbei wird ermittelt, welche Fähigkeiten der Patient für die Ausübung seines Berufs benötigt und zu welchen Anteilen. Das heißt z.B., der Arbeitsalltag wird unter dem Gesichtspunkt „Beugung und Streckung der Fingergelenke“ unter die Lupe genommen. Die Therapie kann nun individuell auf die Situation eines jeden Patienten abgestimmt werden. Nach einer Weile wird erneut der Ist-Zustand analysiert und mit der Tätigkeitsanalyse abgeglichen. Fortschritte werden deutlich und eine Prognose zu einer Möglichkeit der Arbeitswiederaufnahme kann abgegeben werden. Auch die Gestaltung des Arbeitsplatzes ist in diesem Zusammenhang von Interesse: eine Adaptierung des Arbeitsplatzes kann die Arbeit weiterhin ermöglichen.

Während der Ergotherapie übt der Patient oder die Patientin im Bereich der beruflichen Rehabilitation Tätigkeiten aus seinem Berufsalltag: entweder tatsächlich oder durch Materialien simuliert. Dadurch erkennt der Patient selbst, an werlcher Stelle im Genesungsprozess er steht und welche Bereiche noch besonders trainiert werden sollen. Auch der Ergotherapeut kann auf dieser Grundlage die Therapie sinnvoll gestalten und gegenüber Ärzten und der Berufsgenossenschaft Auskunft geben.

In diesem Licht betrachtet ist der Begriff der Arbeitstherapie nicht veraltet. Er wird nur mit einem neuen Inhalt gefüllt. Es gibt wohl kaum etwas aktuelleres als eine Therapie, die auf klar formulierten Zielen basiert und jederzeit überprüfbar ist. Es geht um den Teilhabeaspekt im Leben, um das Funktionieren in der Gesellschaft. Nicht zuletzt dieser Aspekt ist es, über den sich das Selbstbewusstsein eines Menschen definiert, das Grundlage für ein erfülltes und glückliches Leben ist.

Jörn Wandrey
Ergotherapeut und zertifizierter Handtherapeut der AfH
Zertifizierter Rehatherapeut nach Wolters & Sohns

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