(ce) Wo man auch hinhört, im medizinischen oder sportlichen Bereich, es fällt seit einiger Zeit immer häufiger der Begriff „Faszien“. Zwischen Muskeln und Knochen sehen Sie diese weißen spinnengewebsartigen Fäden (früher nur als Füllmaterial missverstanden). Dieses alles umrankende Gewebe vom Scheitel bis zur Sohle trägt die Bezeichnung Faszien. Vor wenigen Jahren gelang es diese Faszien näher darzustellen und ihre unterschätzten wichtigen Funktionen zu erkennen. Da durch neuere Erkenntnisse fest steht, dass sich viele schmerzweiterleitende Nervenenden in den Faszien befinden, stellte sich die Frage, ob die Faszien bei immer wiederkehrenden ungeklärten LWS-Beschwerden eine Rolle spielen. Es wurden Untersuchungen der Faszien im LWS-Bereich bei Menschen ohne und mit Rückenschmerzen verglichen. Bei den beschwerdefreien Personen erkannte man eine geordnete Struktur der Faszien, bei den schmerzbehafteten Menschen stellten sich die Faszien verklebt, verdickt oder fast verfilzt dar.

Auch Stellungsrezeptoren sind in einer Vielzahl nachgewiesen worden. Das sind Rezeptoren, die zu dem körpereigenen Nachrichtendienst gehören und dem Kopf die Informationen zusenden, wie die Arme, Beine, der Körper, die Gelenke im Raum stehen. Diese Funktion hat natürlich große Auswirkung auf unsere Koordination, unser Gleichgewicht und unsere Körperwahrnehmung.

Als Stütze der Muskulatur sorgen die Faszien für eine optimale Kraftübertragung und formen den Körper. Stellen Sie sich ein Segeltuch vor, dass von allen Seiten durch Bänder gestrafft wird. Herrscht auf einem oder zwei Bändern ein anderes Spannungsverhältnis, wirkt sich das sofort auf die Stabilität und Form des Segels aus.

Dieses Gewebe ist in der Lage Energie zu speichern und katapultartig wieder herzugeben. Faszien kann man sich „elastisch“ wie  Gummibänder vorstellen. Bringen Sie ein Gummiband unter maximale Vorspannung und lassen es abrupt los, schnellt es mit einer hohen Geschwindigkeit in den Raum. Diese Funktion der Faszien können Sie auch beim Speerwerfer erkennen. Der Wurfarm geht erst weit nach hinten, um die optimale Vorspannung voll auszunutzen, um dann den Speer katapultartig nach vorne schnellen zu lassen. Aus der Tierwelt kennt man dieses Phänomen ebenfalls, wenn kunstvolle Sprünge, fast wie aus dem Stand ausgeführt werden, als Beispiel ist das Känguru zu nennen.

Das spinnengewebsartige Geflecht dient auch als Transportstrecke für Botenstoffe.

Faszien sind trainierbar und können sich regenerieren. Beim Yoga, ChiGong und Pilates werden viele dehnende Bewegungsformen durchgeführt, die zur Verbesserung einiger Beschwerden beitragen und sich jetzt über die neuen Erkenntnisse der Faszien zusätzlich erklären lassen. Als Folge dieser neuen Erfahrungen entwickeln sich immer noch neue Faszientechniken und Faszientrainingsmethoden. Das in den letzten Jahren verpönte Federn und Springen wurde in diesem Zusammenhang wieder neu überdacht und in vielen sportlichen Trainingsmodellen wieder aufgenommen. Bestimmte Dehntechniken und die sogenannte „Blackroll“ (eine sehr leichte ca. 30 cm lange Rolle aus formstabilen Material und einem Durchmesser von ca. 15 cm) wurden entwickelt. Die Faszien beinhalten einen hohen Wasseranteil. Mit dieser Blackroll wird ein Druck auf die Faszien ausgeübt, die Flüssigkeit wird wie aus einem Schwamm herausgedrückt, und neues Wasser läuft nach. Das Gewebe wird besser versorgt, regeneriert sich, wird wieder elastischer und Verklebungen lösen sich.

Lassen Sie sich durch geschultes Personal Übungen für dieses rätselhafte Gewebe in ihren Trainingsplan einbauen und lassen Sie sich faszinieren.
Ihre Conny Eing,
Physiotherapeutin

Datenschutzinformation
Der datenschutzrechtliche Verantwortliche (CMD Studio GmbH, Deutschland) würde gerne mit folgenden Diensten Ihre personenbezogenen Daten verarbeiten. Dies ist für die Nutzung der Website nicht notwendig, ermöglicht aber eine noch engere Interaktion mit Ihnen. Falls gewünscht, treffen Sie bitte eine Auswahl: